Alaska



Alaska

von Manuel Bünzli / 2015

Die sommerlichen Fischerferien führten mich dieses Jahr nicht an einen Atlantiklachsfluss, sondern nach Alaska. Schon früh im Jahr waren meine beiden Fischerfreunde und ich am evaluieren, wo, wann und wie wir Alaska bereisen sollten. Es kristallisierte sich heraus, dass ein auf eigene Faust organisierter Float Trip wohl am meisten Abenteuer versprechen würde. Einen Anbieter hatten wir schnell gefunden und nach Rücksprache mit ihm fiel unsere Wahl auf den Salmon River (nomen est omen), der in den Aniak River mündet und schliesslich in den Kuskokwim River.

Uns war klar, dass ein derartiges Unternehmen einiges an Vorbereitungsarbeit mit sich bringt. Zum einen galt es abzuklären, was wir aus der Schweiz mitbringen mussten und was uns der Operator zur Verfügung stellt. Dann beschäftigten wir uns mit Verhaltensregeln die Bären betreffend, organisierten den Proviant für 10 Tage auf dem Fluss vorab vor Ort, kauften Ausrüstungsgegenstände wie einen Wasserfilter ein, banden Unmengen an Fliegen und flogen schliesslich am 3. August via Frankfurt und Anchorage nach Aniak. Dort wurden wir bereits vom Piloten erwartet. Da wir jeweils einzeln ausgeflogen wurden, hatten wir nur kurz Zeit, um die Ausrüstung von den Reisetaschen in die wasserdichten Taschen umzupacken.

Als erster durfte ich die alte einmotorige Piper besteigen. Nach dem Start konnte ich bereits den Fluss sehen. Hindernisse im Fluss wie Stromschnellen, Abzweigungen ins Nirgendwo oder Holzansammlungen im Wasser wurden während des Fluges per GPS mit einem Wegpunkt versehen, damit wir später den richtigen Weg finden konnten. Nach knapp eineinhalb Stunden Flugzeit setzte mich der Pilot auf der Landebahn einer verlassenen Goldmine ab. Da war ich nun alleine in der Wildnis, ein aufregendes Gefühl. Nach drei Stunden kam der nächste Kollege an und wir begannen, das Raft aufzubauen und unsere Ausrüstung zu verstauen. Da es bereits spät Abends war, als der dritte in der Runde ankam, suchten wir uns eine geeignete Kiesbank für das erste Camp und bauten das Zelt auf. Nach einer etwas unruhigen ersten Nacht (zum Glück hatten wir Oropax dabei) begann der eigentliche Float Trip.



Allerdings musste zuerst das Zelt wieder abgebaut, ein Feuer entfacht, Kaffee gekocht, Frühstück zubereitet und schliesslich das Gepäck wieder auf das Raft verladen werden, was jeden Morgen unsere Nerven auf die Probe stellte, da wir möglichst schnell mit der Fischerei beginnen wollten. Kaum auf dem Fluss, machten wir auch schon wieder Halt an einer erfolgsversprechenden Stelle bei einem kleinen Bacheinlauf, um ein erstes Mal zu fischen. Die Fischerei war unglaublich erfolgreich. Mit jedem Wurf einen Fisch zu fangen oder zumindest einen Biss zu verzeichnen übertraf unsere Erwartungen bei weitem. Wir überlisteten Äschen und Dolly Varden Saiblinge en masse, dann wieder einen arktischen Saibling, gefolgt von einem Hundslachs und dann und wann einen Rotlachs. Selbst einige Königslachse konnten wir noch überlisten. Wir fischten vor allem klassische Alaskamuster wie Egg Sucking Leeches oder Comets. Schlussendlich war die Wahl der Fliege sekundär und wir hatten alle viel zu viele Fliegen dabei.

Es folgten sehr kurzweilige Tage am und auf dem Wasser mit Kaffee am Morgen, einer durchgehend gewaltigen Fischerei in einer unbeschreiblich schönen Landschaft während des Tages und Nachtessen am Lagerfeuer am Abend. Nach einigen Tagen fingen wir die ersten Silberlachse, deren Run erst begonnen hatte und kurz vor der Mündung in den Aniak River dann auch richtig schöne Regenbogenforellen, die gierig schnell gestrippte Mausimitationen von der Oberfläche nahmen, was uns die Lachsfischerei etwas vernachlässigen liess.

Viel zu schnell neigte sich unser Float Trip dem Ende zu. Am letzten Tag wurden wir von einem Jetboat abgeholt, da der Aniak River im unteren Teil nur noch eine langsame Fliessgeschwindigkeit aufweist. Wir verbrachten noch zwei Nächte im Bed&Breakfast des Piloten, der uns sein Kanu zur Verfügung stellte, damit wir an der Mündung des Aniak Rivers in den Kuskokwim noch Silberlachse fangen konnten. Da der Run gerade erst so richtig eingesetzt hatte, war dies ein weiterer Höhepunkt unserer Reise. Wir fingen grosse und blanke Silberlachse mit der Switchrute. Diese Fische haben wir dann auch mitgenommen und in Anchorage bei der Trappers Creek Räucherei abgegeben, so dass wir doch nicht ohne geräuchten Lachs aus Alaska zurückgekehrt sind.

Alles in allem war unsere diesjährige Alaska Reise ein richtiges Abenteuer, das wir sicher wiederholen werden. Die Bären waren übrigens kein Problem. Wir haben einige gesehen, auch aus kurzer Distanz, doch hatten die Tiere einiges mehr Scheu vor uns als wir von ihnen. Und dank einigen elementaren Vorsichtsmassnahmen betreffend die Lagerung von Lebensmitteln und Fischereiausrüstung hatten wir auch nie Bärenbesuch in unserem Zelt.