Orbe

von Thomas Bucher / 2015

Freitagnachmittag mitten in Vallorbe. Das heisseste Wochenende des Jahres erwartet uns. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste; ich werde in diesen Tagen einen der schönsten Flüsse befischen den ich je gesehen habe. Nachdem wir unseren langjährigen Lieferanten, die Firma Glardon in Vallorbe besucht haben, schlendern wir zusammen mit Laurent der Orbe entlang. Laurent kennt den Fluss wie kein anderer und er hat uns angeboten, dass er uns am Samstag zum Fischen begleitet. Wir laufen der Schonstrecke entlang, die Fische scheinen zu wissen, dass ihnen niemand etwas anhaben kann. Total entspannt stehen sie an den offensichtlichsten Stellen und futtern gemächlich. Auch nach der Schonstrecke sehen wir immer wieder aktive Fische und sind erstaunt über die grosse Anzahl. Ich frage mich gerade, weshalb wir nicht bereits für den Freitag eine Karte gelöst haben…

Wir haben uns am Samstagmorgen um 7 Uhr mit Laurent verabredet. Das Thermometer zeigt bereits 28 Grad!! Laurent möchte uns die wilde Seite der Orbe in der Schlucht zeigen. Eine fantastische Idee wie sich zeigen wird. Es ist dot nämlich mindestens 4 Grad kühler und das Wasser kommt geradezu eiskalt. Das ist wegen einer weiteren Besonderheit der Orbe. Im Lac de Joux versickert das Wasser am Seegrund durch ein Kluftsystem und tritt erst 4 km nordöstlich in der Source de l’Orbe wieder zu Tage. Wir sind mit unseren Fliegenruten ganz klar im Nachteil gegenüber der Wobblerrute von Laurent. Man müsste eigentlich ganz weite Würfe machen, da die Fische extrem „spooky“ sind, man hat aber praktisch keinen Platz dafür. Wir haben trotzdem einige Fische gefangen und wenn man bereit ist auch mal zu klettern und auf allen Vieren zu gehen, wird man mit einer ursprünglichen, schon fast mythischen Umgebung belohnt. Die natürliche Umgebung wird auch durch den anderen Tagesfang unterstrichen: 3 Zecken und einen Schlangenbiss…



Am Sonntag fischten wir vor allem die offeneren Bereiche unterhalb von Orbe. Der Fluss ist hier viel breiter und fliesst langsamer. Wir sehen immer wieder Fische, aber die pralle Sonne hat scheinbar den Fischen den Appetit vermiest. Uns aber nicht, deshalb gibt es der Temperatur angepasst eine Gazpacho und ein kühles Bier in der Altstadt von Vallorbe. Am frühen Abend, wie aus dem nichts, fangen die Fische wie verrückt an zu steigen. Wir können sie sehen, es sind Äschen. Die Fische steigen um uns herum, es sind so viele, dass man meinen könnte, es regne. Allerdings ignorieren sie unsere Fliegen komplett. Das Vorfach wird immer länger und die Fliegen immer kleiner. Und plötzlich passt es. PLATSCH und meine Fliege ist weg. Das typische Klopfen in der Rute ist einfach ein Genuss. Da wir aber mittlerweile bei Vorfachstärke 0.12 sind, ist dezentes Drillen angesagt. Alles klappt und ein dicker Brocken liegt im Feumer. Der Code ist geknackt und wir fangen noch weitere tolle Fische bevor wir uns wieder auf den Heimweg quer durch die Schweiz machen. Neben der Fischerei lohnt sich der Besuch der Romandie natürlich auch kulinarisch. Wir haben überall sehr gut und preiswert gegessen und die Stimmung in den alten Gassen der Örtchen ist wunderbar. Ein Gläschen spritziger Weisswein und Musik auf dem Dorfplatz; unbezahlbar.

Es gibt sie noch, die Perlen. Auch in der Schweiz. Nur finden muss man sie…